Mit New Life veröffentlicht Ellen Allien ein futuristisches wie raues Album, das gleichermaßen elektrisiert wie vereinnahmt. Basierend auf analogen Synths, puristischen Drums sowie treibenden Grooves schafft die Berliner Produzentin eine komprimierte, ungeschminkte Atmosphäre, die zwischen stoischem Minimalismus und euphorischen Rave Eskapaden oszilliert. Was bleibt, ist eine so zeitlose wie technoide Klangästhetik, die sich leicht schwermütig über den Moment erhebt.
Ben Klock hat für HATE einen tiefen sowie seriösen Mix kreiert. Basierend auf Kicks, minimalistischen Synthesizer Loops und subtilen, modulierten Texturen, erzeugt Ben Klock eine fabelhafte akustische Tiefe sowie melancholische, mitunter obskure Ästhetik. Mal monumental, roh und intensiv, mal feinfühlig und sehnsuchtsvoll oszilliert der Mix zwischen unterschiedlichen Koloriten, und entfaltet dabei eine faszinierende, hypnotisierende Sogwirkung. Aus diesem versierten Zusammenspiel erwächst sukzessive eine akustische Tiefe von beunruhigender Schönheit.
Mit Olùsìn [Worshippers] veröffentlicht der nigerianische Produzent Ibukun Sunday ein neues Album, das westafrikanisches Rhythmusgefühl versiert mit tiefem sowie emotionalen Sounddesign verbindet. Der aus Lagos stammende und heute in London lebende Ibukun Sunday hat sich einen festen Platz in der elektronischen Musikszene erarbeitet. Er vereint in seiner Musik bewährte westafrikanische Traditionen mit der ätherischen Synthese zeitgenössischer Ambient Klänge und verwebt dabei seine Kompositionen mit Field Recordings aus seiner Heimat sowie tiefgründigen philosophischen Gedanken zu Existenz, Menschsein und Glauben. Olùsìn [Worshippers] knüpft an einen Klangstil an, den er bereits auf einer Reihe von Veröffentlichungen offenbart hat und besticht erneut durch elegante, sich wiederholende Motive, geisterhafte Drones und Klangflächen, subtil aufkeimende Rhythmen sowie flirrende Klangtexturen. Im Resultat schafft Ibukun Sunday mit minimalistischen Kompositionen eine tiefgreifende emotionale, nahezu sakrale Wirkung.
Der in Lyon lebende DJ und Produzent Jonnnah hat für Inverted Audio einen einstündigen Mix kreiert, der tiefen Techno auf fabelhafte Weise mit einer nahezu zärtlichen, atmosphärischen Wärme verschmelzen lässt. Es sind insbesondere die nahtlosen, feinfühlig modulierten Übergänge, die die Hörerinnen und Hörer auf eine faszinierende akustische Erzählung mitnehmen. Das daraus resultierende Werk funktioniert gleichermaßen im Club, Zuhause oder auf einer nächtlichen Zugfahrt.
Mit The Will of Tongues veröffentlicht Sarah Davachi ein zutiefst eindringliches Werk, das mit einer Laufzeit von über zwei Stunden ein Höchstmaß an konzentrierter Aufmerksamkeit einfordert. Die kanadische Komponistin kreieret auf The Will of Tongues eine streng konzipierte Klangarchitektur, die sich abseits des klassischen Ambient bewegt und stattdessen eine intensive, nahezu sakrale Wirkung entfaltet. Insbesondere durch die bewusste Entschleunigung schafft das Werk eine subtile emotionale Vehemenz, der es sich kaum entziehen lässt.
Die italienische Klangkünstlerin Katatonic Silentio hat für The Observatory einen einstündigen Mix kreiert, der uns unweigerlich in ihre tiefe sowie originelle Klangwelt eintauchen lässt. Oszillierend zwischen Ambient, Dub Techno, Leftfield Electronica sowie cineastischen Klängen und feinfühligen atmosphärischen Passagen schafft Katatonic Silentio eine fabelhafte dramaturgische Dichte. Das Resultat ist von einer hypnotischen Sogwirkung, der es sich kaum entziehen lässt.
Das britische Duo Martyn Riley und Beth Robertson, auch unter dem gemeinsamen Pseudonym Tokoro Wohnen bekannt, nähert sich auf der jüngsten Veröffentlichung Bing Industries in vier feinfühligen Werken den architektonischen Phantomen der britischen Schwerindustrie. Im Epizentrum der Inspiration stehen die Shale Bings von West Lothian – jene monumentalen, weit aufragenden Abraumhalden, die als steinerne Zeugen der einst florierenden schottischen Schieferölindustrie des 19. und frühen 20. Jahrhunderts die Landschaft überdauern. Wo einst rauchende Schlote den Fortschritt der Moderne verkündeten, transformiert das Duo die industrielle Melancholie nun in eine faszinierende, beinahe sakrale Klangästhetik. Es gelingt ihnen das Kunststück, den rauen, schweren Geist der Vergangenheit in eine feingliedrige, elektronische Textur zu übersetzen, die emotional und intellektuell beansprucht. Dabei verzichtet Bing Industries auf jegliche industrielle Brachialität und entfaltet stattdessen eine unerwartet subtile wie ebenso fragile musikalische Ästhetik, die eine nahezu geisterhafte Präsenz heraufbeschwört.