Carmen Villain – Memoria

Carmen Villain – Memoria

Mit ihrem Album Memoria erschafft die norwegisch-mexikanische Produzentin Carmen Villain ein hypnotisches Meisterwerk der Entschleunigung im Grenzbereich zwischen Ambient und meditativem Spectral Dub. Inspiriert von Pauline Oliveros’ Schriften über innerlich abgerufene, für andere unhörbare Klänge bricht Carmen Villain radikal mit klassischen Songstrukturen, um den Versuch zu unternehmen, das menschliche Gedächtnis als fließenden, sich ständig verändernden Organismus hörbar zu machen. Weite Flötenakkorde, fragile Feldaufnahmen und Villains eigene Klarinette verschmelzen dabei in den Stücken des Albums zu geisterhaften, repetitiven Klangschleifen von enormer Tiefe. Durch den versierten Einsatz von Raum und Stille erzeugt die Multiinstrumentalistin eine nahezu sakrale Atmosphäre, die weite Räume für introspektives Versinken eröffnet. Memoria ist ein nachdenkliches wie emotionales Werk, das in seiner melancholischen Schönheit eindringlich nachhallt. An dieser Stelle der Track Entre Nosotros.

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Set zum Freitag #452 – Eric Cloutier

Set zum Freitag #452 – Eric Cloutier
Bild: © Leonardo Barucci

Zum Anlass seines Debütalbums My Friend The Abyss hat Eric Cloutier im Berliner Tresor einen Mix aufgenommen, der die Albumveröffentlichung virtuos ergänzt. Der inzwischen auf Inverted Audio veröffentliche Mix, offenbart über zweieinhalb Stunden seriösen, tiefen Techno. Während My Friend The Abyss ein eher nachdenkliches Porträt Cloutiers als Produzent zeichnet, enthüllt der aktuelle Mix einmal mehr, den versierten, energetischen sowie hypnotisierenden Ansatz des DJs. Ein fabelhafter Mix für den Auftakt ins Wochenende.

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Jannis Anastasakis & Peter Knight – Feather

Jannis Anastasakis & Peter Knight – Feather

Feather von Jannis Anastasakis und Peter Knight ist ein Kollaborationsalbum, das in Athen aus improvisierten Begegnungen gewachsen ist und seine Faszination aus der feinen Abstimmung der Mittel gewinnt. Fünf Stücke genügen, um analoge Synthesizer, klagende Trompeten, distanzierte E-Gitarren und subtile elektronische Texturen zu einem zugleich kammermusikalischen und cineastischen Raum zu verbinden. Besonders reizvoll ist die Art, wie sich neoklassische Intimität mit melancholischem Jazz sowie elektroakustischer Noise Ästhetik verschränkt, ohne in Beliebigkeit zu kippen. Das Ergebnis besitzt eine geheimnisvolle, leicht unheilvolle Aura, die eher suggeriert als erklärt und gerade darin ihre Stärke entfaltet. Wer Musik mit subtiler Dramaturgie und genauer klanglicher Zeichnung schätzt, findet hier ein Werk von bemerkenswerter Stimmigkeit. An dieser Stelle mit  Feather I der Eröffnungstrack des Albums.

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Set zum Freitag #451 – Hypnotic Black Magic

Set zum Freitag #451 – Hypnotic Black Magic
Bild: © Anni Roenkae

Die Musikerin und Protagonistin hinter dem multidisziplinären Kunstprojekt Art Bei Ton, bekannt als Hypnotic Black Magic, kultiviert einen tiefen, atmosphärischen Techno, der von rituellen Rhythmen sowie hypnotischen Klängen getragen wird. Auf der Basis psychedelischer Klangschichten, treibender Basslines und emotionalen Pads entstehen Sets, die sich wie langsam rotierende Klangmandalas entfalten und den Raum in eine zugleich introspektive wie körperlich unmittelbare Erfahrung verwandeln. Die mitunter obskuren, in Zwielicht getauchten Stimmungen fungieren dabei weniger als bloßes Stilmittel, sondern als dramaturgische Klammer eines narrativen Konzepts, das die Grenzen zwischen Club, Konzert und Klanginstallation nahezu verwischt. Das jüngste Set für das in Porto beheimatete Label Timeless O’Clock fügt sich folgerichtig in eine Ästhetik ein, die elektronische Musik als immersiven Erfahrungsraum versteht und auf diese Weise unweigerlich tief in ihren Bann zieht.

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Anthéne – Air Signs

Anthéne – Air Signs

Mit Air Signs veröffentlicht Brad Deschamps, auch unter seinem Pseudonym Anthéne bekannt, ein Manifest der Entschleunigung, das die Hörerinnen und Hörer aus der urbanen Hektik in eine schwerelose klangliche Weite entführt. Inspiriert von einem Vogel auf der Fensterbank, webt der Kanadier aus minimalistischen Gitarrenloops und verwaschenen Lo-Fi-Texturen ein meditatives Klangnetz von seltener Sensibilität. Technische Finessen wie Rückwärtsschleifen und subtiles Knistern verleihen der flüchtigen Musik eine spürbare, warme Atmosphäre. Jedes der sechs Werke auf Air Signs atmet eine beruhigende Melancholie, die sich wie ein sanfter Nebel über das Bewusstsein legt und Raum für innere Einkehr schafft. So erweist sich dieses Album als ein flüchtiges Kunstwerk von schwebender Eleganz.

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Set zum Freitag #450 – Jonas Xenon

Set zum Freitag #450 – Jonas Xenon
Bild: © Landiva Weber

Der in Berlin lebende DJ und Produzent Jonas Xenon hat für Refuge Worldwide einen einstündigen Mix kreiert, in dem Echo, Hall sowie texturale Zwischenräume zu einem sensibel balancierten Gefüge verschmelzen. Die filigrane Artikulation dieser Klangflächen, getragen von einem feinfühligen Groove, erzeugt einen Schwebezustand jenseits von Erwartungshaltungen und Anspannung. Was bleibt, ist eine nahezu meditative Schönheit, exakt modelliert und doch warm, die klanglich überzeugt, ohne auch nur im Ansatz plakativ zu wirken.

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Camilla Pisani – Konstellationen

Camilla Pisani – Konstellationen

Mit Konstellationen veröffentlicht Camilla Pisani ein Album, das den Rhythmus aus der Rolle der bloßen Taktarchitektur befreit und ihn zur eigentlichen Trägerin des musikalischen Diskurses macht. Entscheidend ist nicht das metrische Raster, sondern die Art, wie sich Zeit in Spannung, Bewegung und subtile affektive Verschiebungen übersetzt und so eine eigene Dramaturgie entfaltet. Pisani formt Rhythmus als feines, zugleich belastbares Material, das Emotionen nicht schmückt, sondern generiert, bündelt und gegeneinander ausbalanciert. Daraus erwächst eine Musik, die weniger in klassischer Formentfaltung glänzt, sondern in konzentrierten Verdichtungen, die die Hörerinnen und Hörer in einen dichten, körperlich wahrnehmbaren Klangraum stellen. Ihre formale Energie lebt von der dauernden Wechselwirkung zwischen Stabilität und Aufbruch, einem Pulsieren, das die Stücke zugleich zwingend als auch unbefangen erscheinen lässt.

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