Der belgische DJ und Produzent Raär hat für The Lot Radio einen einstündigen Mix gespielt, dessen suggestivem Sog es sich kaum entziehen lässt. Ausgehend von komplexen Rhythmen, atmosphärischen Passagen sowie einer dichten Dramaturgie vermag es Raär die Zuhörerinnen und Zuhörer allmählich in tiefe, mitunter mystische Klangwelten zu entführen. Das Resultat ist ein feinfühliges Wechselspiel von treibender Intensität und vereinnahmender Intimität.
Mit Analog Fragments II wird nun die als zweiteiliges Gesamtwerk konzipierte Analog Fragments Reihe als in sich geschlossenes künstlerisches Statement komplementiert. Wie bereits beim ersten Teil dieser von InDepth initiierten Serie tragen UFO95, Hadone, Raär, Clara D und Initial Code jeweils einen Track zu der Compilation bei. Ausgangpunkt der Klänge sind die niederländischen Willem Twee Studios mit ihren historischen, analogen Instrumenten, Impulsgeneratoren und Filtern, die gemeinsam als vernetzter Synthesizer fungieren. In den fünf Werken offenbart sich eine fließende, nicht selten leicht dystopische Klanglandschaft aus Ambient, Techno und Elektroakustik, die auch von der analogen, mitunter unterschwelligen dissonanten Wärme sowie der Unvorhersehbarkeit der Apparate lebt.
Das aus Brooklyn stammende Duo Irina Kotik und Gilles Wasserman, gemeinsam auch unter dem Projektnamen Moon Patrol bekannt, haben für Embodiment einen eineinhalb stündigen Mix kreiert, der uns eine tiefe wie obskure Klangwelt eintauchen lässt. Ohne Rücksicht auf Konventionen lassen Irina Kotik und Gilles Wasserman auf äußerst einfühlsame Weise elektronische, experimentelle Klänge intuitiv miteinander verschmelzen. Was dabei entsteht, ist ein dramaturgisch nuanciertes Hörerlebnis, das unmerklich eine unerbittliche, intensive Wirkung entfaltet.
Mit Opening offenbart Klara Lewis einmal mehr ihre unverwechselbare Begabung, Klänge gänzlich zu deformieren und dabei gleichwohl erkennbare, liedhafte Strukturen zu bewahren. Es handelt sich bei dem Album um ein illusionäres Werk voller akustischer Phantasmen, mit verschleierten Melodien und versteckten, suggestiven Momenten. Ihre Musik bewegt sich auf ungewöhnliche und nicht selten überraschende Weise. Akustische Instrumente wie Ukulele und Klavier durchlaufen Prozesse der Dekonstruktion und Rekonstruktion, wobei ihre ursprünglichen Formen stetig moduliert und neu gestaltet werden. Klänge verschieben sich, lösen sich auf und tauchen in veränderter Form wieder auf – ein Erlebnis, das zugleich intim und irritierend wirkt. Was zunächst fremdartig erscheint, kann im Verlauf des Stücks in überraschende Zärtlichkeit umschlagen – oder umgekehrt. Ein Album, das sich letztlich jeder Form von Monotonie entzieht.
Joachim Spieth hat für Held By Earth einen cineastischen wie immersiven Mix kreiert. Ausgehend von tiefgründigen Texturen und Frequenzen, feinfühligen Klangfarben sowie subtilen rhythmischen Strukturen, entfaltet sich ein transzendenter Klangkosmos, der die Hörerinnen und Hörer mit sanfter Unausweichlichkeit allmählich vollends umschließt. Es ist das versierte Wechselspiel aus kontemplativer Stille sowie kontinuierlicher Dynamik, durch welches diese akustische Architektur ihre suggestive Wirkung gewinnt. Das Resultat ist ein feinsinniges wie filigranes Hörerlebnis, dem es sich kaum entziehen lässt.
Mit New Life veröffentlicht Ellen Allien ein futuristisches wie raues Album, das gleichermaßen elektrisiert wie vereinnahmt. Basierend auf analogen Synths, puristischen Drums sowie treibenden Grooves schafft die Berliner Produzentin eine komprimierte, ungeschminkte Atmosphäre, die zwischen stoischem Minimalismus und euphorischen Rave Eskapaden oszilliert. Was bleibt, ist eine so zeitlose wie technoide Klangästhetik, die sich leicht schwermütig über den Moment erhebt.
Ben Klock hat für HATE einen tiefen sowie seriösen Mix kreiert. Basierend auf Kicks, minimalistischen Synthesizer Loops und subtilen, modulierten Texturen, erzeugt Ben Klock eine fabelhafte akustische Tiefe sowie melancholische, mitunter obskure Ästhetik. Mal monumental, roh und intensiv, mal feinfühlig und sehnsuchtsvoll oszilliert der Mix zwischen unterschiedlichen Koloriten, und entfaltet dabei eine faszinierende, hypnotisierende Sogwirkung. Aus diesem versierten Zusammenspiel erwächst sukzessive eine akustische Tiefe von beunruhigender Schönheit.